Branche · Facility Management

Software für Facility Management und Smart Buildings

Facility Management ist 2026 nicht mehr nur Hausmeisterei: Es ist Datenmanagement. Die EU-Gebäuderichtlinie (EPBD-Recast) verlangt seit 2024 Building Automation Control Systems für große Nichtwohngebäude. GEFMA 444 und 445 sind die Zertifizierungs-Standards für CAFM-Software in Deutschland. Wer Apps für Gebäudebetreiber baut, plant zwischen IoT-Sensorik, Energie-Reporting und Service-Workflow.

Kontakt

Branchenkontext

Die EPBD-Neufassung (Richtlinie (EU) 2024/1275) ist am 28. Mai 2024 in Kraft getreten und muss bis zum 29. Mai 2026 in nationales Recht umgesetzt werden. Sie verlangt unter anderem den schrittweisen Einbau von Building Automation and Control Systems (BACS): bis Ende 2024 für Nichtwohngebäude mit HVAC-Leistung > 290 kW, bis 2029 für > 70 kW. Der Smart Readiness Indicator (SRI) ist optional, soll aber per delegiertem Rechtsakt bis 30. Juni 2027 für Nichtwohngebäude > 290 kW Pflicht werden.

Die German Facility Management Association (GEFMA) mit ca. 1.000 Mitgliedern in DACH ist die fachliche Standardisierungsstelle. GEFMA 444:2023-07 hat 18 Kriterienkataloge — einschließlich eines neuen Katalogs für IoT-Datenmanagement. GEFMA 445:2023-07 erweitert die Zertifizierung auf spezialisierte FM-Softwaremodule (z. B. Energie- oder Arbeitsplatzmanagement).

Typische Herausforderungen

Insellösungen statt Plattform

HVAC-System, Zugangskontrolle, Brandmelder, Energiezähler, Reinigungs-Tickets — meist je eigenes Tool, oft ohne saubere Daten-Brücke. Eine Sicht auf das Gebäude entsteht erst durch Aggregation.

BACS-Pflicht ohne Roadmap

Die EPBD verlangt bis 2029 BACS für Gebäude mit HVAC > 70 kW — viele Eigentümer haben weder Inventar noch Plan, wie sie das umsetzen. Software, die den Datenstand erhebt und priorisiert, ist gefragt.

ESG-Reporting mit Kalkulationsblättern

Energieverbrauch, CO₂-Emissionen, Wassernutzung — ESG-relevante Kennzahlen werden oft manuell zusammengesucht. Eine Plattform, die Daten direkt aus den Gebäudesystemen aggregiert, spart pro Quartal Personentage.

Regulatorischer Rahmen

EPBD Recast (Directive (EU) 2024/1275)

Neufassung der EU-Gebäuderichtlinie. Verlangt schrittweise Einführung von BACS-Mindestanforderungen, Smart Readiness Indicator (optional, später verbindlich für große Nichtwohngebäude) und Vorgaben für emissionsfreien Gebäudebestand bis 2050.

Anwendbarkeit: In Kraft seit 28.05.2024 · Umsetzung bis 29.05.2026

BACS-Pflichten nach EPBD

Nichtwohngebäude müssen BACS einbauen, sobald die HVAC-Nennleistung gewisse Schwellen überschreitet: bis Ende 2024 für > 290 kW, bis 2029 für > 70 kW.

Smart Readiness Indicator (SRI)

Bewertet die Fähigkeit eines Gebäudes, intelligente Technologien zu nutzen. Die Kommission soll bis 30.06.2026 einen Bericht und bis 30.06.2027 einen delegierten Rechtsakt vorlegen, der den SRI für Nichtwohngebäude mit HVAC > 290 kW verbindlich macht.

GEFMA 444:2023-07 (CAFM-Zertifizierung)

Deutsche Zertifizierungs-Richtlinie für Computer-Aided-Facility-Management-Software. 18 Kriterienkataloge — Flächen-, Instandhaltungs-, Energie-, Workplace-Management u. a. — einschließlich eines neuen Katalogs für IoT-Datenmanagement. Zertifikate sind 2 Jahre gültig.

CSRD / EU-Nachhaltigkeitsberichterstattung

Die CSRD (Richtlinie (EU) 2022/2464) verlangt von großen Unternehmen detaillierte ESG-Reporting-Pflichten — auch über die Gebäudeperformance. Die FM-Software ist oft die primäre Datenquelle.

Architektur-Muster für B2B-Apps

Gebäude-Edge
BACnet/IP · KNX · Modbus · MQTT-Bridge · Edge-Gateway

Datenerfassung aus heterogenen Gebäudesystemen — BACnet ist der Standard für nordamerikanische und zunehmend deutsche HVAC-Systeme, KNX dominiert in Europa für Smart-Building-Funktionen.

CAFM-Backend
Typisierte API-Schicht (z. B. NestJS, Go) · PostgreSQL · GEFMA-konforme Datenstrukturen

Ein Datenmodell, das gleichzeitig Flächenmanagement, Instandhaltung, Energie und Vertragsmanagement unterstützt — orientiert an GEFMA-444-Kriterien. Sprache und Framework folgen Datenvolumen und Team.

Energie- und ESG-Schicht
Time-Series-DB (z. B. TimescaleDB, InfluxDB) für Verbrauchsmessungen · CSRD-Export · CSV-/XBRL-Reports

Time-Series-Speicherung für Energieverbräuche, automatisierte Aggregation für ESG-Reporting nach CSRD. PostgreSQL + TimescaleDB als Default; bei sehr hohen Datenraten greifen wir zu Influx oder ClickHouse.

Service- und Mobile-App
Cross-Platform-App (z. B. Flutter) für Techniker · Web-Portal für Verwaltung · QR-Code-Scanning · Foto-Erfassung

Service-Techniker scannen vor Ort QR-Codes auf Anlagen, dokumentieren mit Fotos und Notizen, Verwaltung sieht Live-Status auf einem Web-Dashboard. Web-Frontend mit einem reifen TS-Framework (z. B. Next.js, Astro) — die konkrete Wahl folgt der Komplexität des Dashboards.

Wie wir den Stack wählen

Der konkrete Stack wird pro Projekt entschieden — abhängig von Datenmenge, Compliance-Anforderungen, Bestandssystemen und Team-Skills. Diese Tabelle zeigt unsere typischen Werkzeuge je Fähigkeit, mit jeweils zwei bis drei Beispielen, die wir produktiv eingesetzt haben.

Fähigkeit Womit wir das umsetzen
Offline-fähige Service-App für Anlagen vor Ort

Eine Codebasis für iOS- und Android-Geräte der Techniker, mit nativer Kamera- und QR-Code-Integration. Offline-fähig für Tiefgaragen und Technikräume. Typische Wahl: Flutter mit nativen Bridges wo Hardware-Nähe es verlangt.

Typisiertes CAFM-Backend

Strukturierte API-Schicht mit klarer Modul-Separation und performantem WebSocket-Layer für Live-Status der Gebäudesysteme. Sprachwahl nach Last und Team — produktiv in TypeScript (NestJS, Fastify), Go und Rust.

Hybrid relational + time-series Datenhaltung

Stammdaten (Gebäude, Anlagen, Verträge) und Verbrauchszeitreihen typischerweise in einer Datenbank (PostgreSQL + TimescaleDB) — vereinfacht Backup, Recovery und ESG-Reporting. Bei sehr hohen Schreibraten ergänzen wir InfluxDB oder ClickHouse.

Open-Source-Stacks für Gebäudeprotokolle

Open-Source-Bibliotheken für BACnet/IP, KNX und Modbus (z. B. node-bacnet, knxd) ermöglichen direkte Anbindung der Gebäudesysteme ohne kommerzielles Middleware-Lizenzmodell — herstellerneutral und langfristig wartbar.

EU-gehostete Infrastruktur

Datenschutz-Vorteil für Mitarbeiter- und Mieter-Daten, sowie zur Erfüllung von GEFMA-444-Anforderungen an die Datenherkunft. Wir haben unter anderem auf Hetzner, DigitalOcean (Frankfurt), AWS Frankfurt und in on-prem Kubernetes ausgeliefert — die Wahl folgt Datensouveränität und SRE-Skills im Haus.

Konkretes Vorhaben in dieser Branche?

Wir entwickeln Software, die zu den regulatorischen, technischen und organisatorischen Realitäten Ihrer Branche passt — ohne überflüssige Komplexität.

E-Mail schreiben