Excel-Listen statt Plattform
Viele B2B-IoT-Initiativen starten mit Excel-Tabellen, E-Mail-Anhängen und manuellen Reports. Das skaliert nicht über mehrere hundert Geräte und macht Datenzugriffspflichten nach EU Data Act unerfüllbar.
Vernetzte Produkte erzeugen kontinuierlich Daten — und neue Pflichten. Seit dem EU Data Act (anwendbar 12.09.2025) müssen Hersteller Endkunden den strukturierten Datenzugriff ermöglichen. Ab dem Cyber Resilience Act (volle Anwendbarkeit 11.12.2027) gelten verbindliche Cybersecurity-Anforderungen für jedes vernetzte Produkt am EU-Markt.
IoT-Anwendungen bestehen typischerweise aus vier Schichten: Geräten (Sensoren, Aktuatoren), einer Konnektivitätsschicht (BLE, MQTT, NB-IoT, LoRa), einer Datenebene (Telemetrie-Ingestion, Time-Series-Datenbank) und einer Anwendungsschicht (Mobile App, Dashboard, Alerts). Ab einer gewissen Geräte-Anzahl wird die Backend-Plattform zum Engpass — nicht die Konnektivität.
Im DACH-Mittelstand kommen 2026 zwei regulatorische Schwerpunkte zusammen: Datensouveränität (EU Data Act, Datenzugriffsrecht für Endkunden) und Cybersecurity-by-Design (Cyber Resilience Act, mit Geldbußen bis 15 Mio. € oder 2,5 % des weltweiten Jahresumsatzes). Die Architekturentscheidungen, die heute getroffen werden, prägen die Compliance-Position für die nächsten 5–10 Jahre.
Viele B2B-IoT-Initiativen starten mit Excel-Tabellen, E-Mail-Anhängen und manuellen Reports. Das skaliert nicht über mehrere hundert Geräte und macht Datenzugriffspflichten nach EU Data Act unerfüllbar.
Geräte, die ohne Update-Mechanismus, ohne Verschlüsselung und ohne Schwachstellen-Reporting in den Markt gegangen sind, müssen für CRA nachgerüstet werden — oder vom Markt genommen werden.
Die App spricht ein Protokoll, das Backend ein anderes, Legacy-Geräte ein drittes. Ohne saubere Protokoll-Brücke (z. B. MQTT-zu-HTTP) wird jede Erweiterung zur Klempnerarbeit.
Verordnung (EU) 2023/2854 gibt Nutzern vernetzter Produkte ein Recht auf Zugang zu, Nutzung und Weitergabe der durch ihre Nutzung erzeugten Daten. Hersteller müssen Geräte und zugehörige Dienste so gestalten, dass dieser Zugriff technisch möglich ist.
Anwendbarkeit: Anwendbar seit 12. September 2025
Verordnung (EU) 2024/2847 fordert Cybersecurity-by-Design für alle Produkte mit digitalen Elementen am EU-Markt: Schwachstellen-Management, Sicherheits-Updates, Konformitätsbewertung, Vorfall-Meldepflicht. Geldbußen bis 15 Mio. € oder 2,5 % des weltweiten Jahresumsatzes.
Anwendbarkeit: In Kraft seit 10.12.2024 · Meldepflichten ab 11.09.2026 · Volle Anwendbarkeit ab 11.12.2027
Telemetrie-Ströme enthalten oft personenbezogene Daten (Standort, Nutzungsmuster). Das gesamte Datenmodell muss DSGVO-konform sein — von der Erhebung über die Speicherdauer bis zum Recht auf Löschung.
Bidirektionale Verbindung mit Geräte-Authentifizierung (X.509-Zertifikat oder Pre-Shared-Key) und einem zuverlässigen Update-Mechanismus — die Voraussetzung für CRA-Konformität. Protokoll-Wahl je nach Reichweite, Energiebudget und vorhandener Geräte-Hardware.
Hochdurchsatz-Eingang von Geräte-Daten, sauber getrennt von der Anwendungs-API. Background-Jobs für Aggregation und Alerting. Sprache und Framework je nach Telemetrievolumen, Latenz-Anforderungen und Team — wir setzen TypeScript, Go und Rust produktiv ein.
Strukturierte Lifecycle-Daten (Geburts-Snapshot, Service-Historie) plus Time-Series-Telemetrie. Auditierbarkeit via unveränderlichem Eventlog. Postgres + TimescaleDB ist unser Standard-Setup; bei sehr hohen Schreibraten greifen wir auf ClickHouse oder Influx.
Eine Codebasis für iOS/Android, ein Self-Service-Portal mit strukturiertem Datenexport (Data-Act-konform), ein Admin-Cockpit für Service. Wir setzen typischerweise Flutter ein und greifen zu Native-Bridges, wo der BLE-Stack es verlangt.
Der konkrete Stack wird pro Projekt entschieden — abhängig von Datenmenge, Compliance-Anforderungen, Bestandssystemen und Team-Skills. Diese Tabelle zeigt unsere typischen Werkzeuge je Fähigkeit, mit jeweils zwei bis drei Beispielen, die wir produktiv eingesetzt haben.
| Fähigkeit | Womit wir das umsetzen |
|---|---|
| Cross-Platform Mobile mit nativer Hardware-Anbindung | Eine Codebasis, native Module für BLE und Sensorik. Typische Wahl: Flutter mit Native-Bridges; bei sehr nativen Hardware-Pfaden auch Swift/Kotlin direkt. |
| Telemetrie-Backend mit hohem Durchsatz | MQTT, WebSocket, Event-Sourced. Typisierte Backends — produktiv in TypeScript (NestJS, Fastify), Go oder Rust. Sprachwahl folgt Volumen, Latenz und Team-Skills, nicht andersherum. |
| Hybrid relational + time-series Datenhaltung | Für die meisten Fälle PostgreSQL + TimescaleDB in einer Datenbank. Bei sehr hohen Schreibraten oder analytischer Last: ClickHouse, InfluxDB. Begleitet von einem Append-only Eventlog als Audit-Schicht. |
| Offene IoT-Konnektivitätsstandards | MQTT 5, BLE, NB-IoT, LoRaWAN — herstellerneutral by design. Schützt vor Vendor-Lock-in auf Geräte- und Protokoll-Seite und bleibt anschlussfähig, wenn sich der Hardware-Lieferant ändert. |
| EU-gehostete Infrastruktur | Compute und Datenbank in einer EU-Region. Wir haben unter anderem auf Hetzner, DigitalOcean (Frankfurt), AWS Frankfurt und Azure Germany ausgeliefert — die Wahl hängt von Datensouveränität, vorhandenen Verträgen und SRE-Skills im Haus ab. |
Stand: 2026-04-30
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